In Transit


Eine Stückentwicklung von Eva-Maria Abelein, Lisa Däßler und Mischa Tangian mit Sängern des Opernensembles und Lukas Truniger
Uraufführung am 6. November 2014 in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

In albanischer, deutscher, englischer und spanischer Sprache

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In Auto, Flugzeug oder Zug, in Bahnhöfen, Unterführungen, Wartezonen, in den immer gleichen Businesshotels zwischen Durban, Düsseldorf und Dubai, aber auch in Flüchtlingslagen und Notunterkünften. Das Leben unterwegs ist eine der Grunderfahrungen in der Welt des 21. Jahrhunderts. Und die Existenz in den Zwischen-Orten und Transitzonen ist Teil unserer Lebenswelt, in dem Freiheit und eine unbegrenzte Zahl an Möglichkeiten suggeriert wird und bei denen es sich zugleich, wie der Philosoph Marc Augé beschrieben hat, um „Nicht-Orte“ handelt.

In sehr persönlicher Weise haben sich sieben Sängerinnen und Sänger mit ihren persönlichen Transitzonen beschäftigt – und der dazugehörigen Musik. Alle sieben sind Kunstnomaden, die als Weltbürger und Wanderer der internationalen Musikwelt unterwegs sind und ihre Zelte für die Zeit des Engagements in Berlin aufgeschlagen haben. Zusammen mit der Regisseurin Eva-Maria Abelein und dem Komponisten Mischa Tangian haben sie abseits des Opernrepertoires nach Liedern, Arien und Songs gesucht, die Ausdruck des Unterwegs-Seins sind – oder hierzu den Gegenentwurf bilden: Als Symbole der eigenen Identität, als Lieder von den Sehnsuchtsorten einer fernen Heimat oder auch als imaginäre, „treue“ Begleiter auf der Reise.

Das stilistische Spektrum der Nummern ist so vielfältig wie die Herkunft der Sängerinnen und Sänger. Es reicht vom Wienerlied bis zur Broadwaynummer und von Volksliedern des Kosovo und romantischen Kunstliedern hin zu Rock und Hip Hop. Hiervon ausgehend entfaltet sich das poetische Potenzial der Transiträume zu einem Kaleidoskop kurzer Momentaufnahmen: An einem solchen Zwischen-Ort beginnen die Gedanken zu fliegen, Melodien und Rhythmen schälen sich heraus. Es gibt Glücksmomente, in denen die Welt zu tanzen beginnt, Begegnungen, in denen aus einem kurzen Blickwechsel heraus in der Phantasie die Möglichkeit eines anderen Lebens Gestalt annimmt. Doch dann trennen sich die Wege wieder, und jeder macht sich auf zu einem anderen Ziel. Denn der Transitraum bleibt eine Zone des Übergangs, ein Ort flüchtiger Begegnungen.

Die Regisseurin Eva-Maria Abelein ist seit 2012 Spielleiterin an der Deutschen Oper Berlin, eigene Inszenierungen entstanden u. a. für die Theater in Passau, Erfurt und Bern. Der junge russische Komponist und Performer Mischa Tangian studierte bei Manfred Trojahn und George Benjamin. Als Geiger konzertierte er international und arbeitet immer wieder für Performances gemeinsam mit dem Breakdancer Airdit.

Mischa Tangian wird selber als Geiger und Performer live auf der Bühne stehen, unterstützt von einer fünfköpfigen Band, gebildet aus Mitgliedern des Orchesters der Deutschen Oper. Hinzu kommt Lukas Truniger, der mit Laptop und Interface live das musikalische Geschehen mit gestaltet. Daneben werden aber auch die Sängerinnen und Sänger an Instrumenten aktiv, frei nach der Devise, dass die Frage nach der musikalischen Heimat zugleich eine Suche nach versteckten Talenten im Ensemble der Deutschen Oper war.

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