Samson und Dalila

Samson et Dalila

Camille Saint-Saëns (1835 – 1921)

Oper in drei Akten
Libretto von Ferdinand Lemaire
Uraufführung am 2. Dezember 1877 in Weimar
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 15. Mai 2011


In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

öffnen

Besetzung

schließen

Besetzung

Musikalische Leitung Jacques Lacombe
Inszenierung Patrick Kinmonth
Ausstattung Patrick Kinmonth
Darko Petrovic
Licht Manfred Voss
Chöre William Spaulding
Choreografie Jonathan Lunn
Dalila Clémentine Margaine
Samson Aleksandrs Antonenko
Oberpriester des Dagon Markus Brück
Abimélech, Satrap von Gaza Seth Carico
Ein alter Hebräer Ante Jerkunica
Kriegsbote der Philister Clemens Bieber
Erster Philister Gideon Poppe
Zweiter Philister Carlton Ford
Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin
Tänzer Opernballett der Deutschen Oper Berlin
öffnen

Informationen

schließen

Informationen

Die biblische Figur des Samson und die vielen Facetten seiner Persönlichkeit lassen so manchen Vergleich zu, doch – dies sei vorausgeschickt – keiner hält stand. Samson ist anders. Wenn auch seine Geschichte an den neutestamentarischen Nachfolger denken lässt: Samson ist kein Jesus. Seine Geburt, von einem Engel verkündet, verheißt die Befreiung Israels aus den Händen der Philister. Der Ort: Gaza, Palästina, um 1100 v. Chr. Vom (unfruchtbaren) Mutterleibe an ein Geweihter Gottes, ist Samson der unbesiegbare Held, die wirksame Waffe im Freiheitskampf der Hebräer. Der zornige junge Mann mordet und brandschatzt in den Lagern der Feinde. Auge um Auge.

Aus jenen feindlichen Lagern wählt er, wie später Romeo, seine Geliebte, was ihm zum Verhängnis wird: Dalila, die schöne Philisterin, die er heiß begehrt, ist keine Julia, rein, jugendlich, treu. Sie ist die düstere Frau, die Verführerin, eine Lilith-Figur, der Samson sich mit Haut und Haaren unterwirft.

Wie kannst Du sagen, Du habest mich lieb, wenn doch Dein Herz nicht mit mir ist. Dreimal hast Du mich getäuscht und mir nicht gesagt, worin deine große Kraft liegt. (Richter 16, 15)

So entlockt Dalila Samson sein größtes Geheimnis. Sie schert ihm das lange Haar, er verliert seine übermenschliche Kraft. Den Philistern ausgeliefert, wird der Hoffnungsträger Israels geblendet und zum Siegesfest in den Dagon-Tempel abgeführt. Hohn und Spott ausgesetzt, kommt ihm Jehova zu Hilfe und verleiht ihm alte Stärke. Samson hebt den Tempel aus den Angeln und begräbt sich und seine Feinde unter den Trümmern. Das Selbstmordattentat eines Extremisten als der gottgewollte Triumph des jüdischen Volks? Wohl kaum.

In dieser Geschichte von Feindschaft und Heiligem Krieg, von Macht und Lust, gibt es keine Sieger, keine Wahrheit. Das Göttliche wird gemindert, Macht begrenzt, Tabus werden gebrochen, Liebe verraten. Einzig der Komponist leistet sich ungebrochenes Pathos im großen Duett Samson-Dalila im Zweiten Akt, das uns verführt, an eine große Liebesgeschichte zu glauben. Vielleicht ist sie das auch. Samsons Geschichte ist widersprüchlich, sie ist menschlich. Camille Saint-Saëns konnte die 1876 fertig gestellte Partitur erst 1877 durch Vermittlung seines Freundes Franz Liszt – mit überragendem Erfolg – in Weimar zur Uraufführung bringen. In Frankreich, wo man über die oratorien- und wagnerhaften Elemente des Werks seinerzeit die Nase rümpfte, folgte die Erstaufführung erst 13 Jahre später.

* * *

»Es gibt einen Moment in Samsons Geschichte – jenen, als er in Delilas Schoß schlummert –, der sein ganzes Sein zusammenzufassen scheint. Samson liegt da, entrückt, in einer kindlichen, nahezu embryonalen Entwicklungsstufe, losgelöst von der Gewalt, Ratlosigkeit und Triebhaftigkeit, die sein Leben bestimmen und es ihm zur Hölle machen. Es ist natürlich gleichzeitig der Moment, in dem sein Schicksal besiegelt wird, denn Delila greift bereits nach seinen Zöpfen und dem Messer und die Philister draußen vor der Tür feiern schon ihren Triumph. Bald werden die Kräfte schwinden und man wird ihm die Augen ausstechen. In Kürze wird er ins Verließ geworfen werden – seine Tage sind gezählt. Und gerade jetzt findet er Ruhe, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben. Während er so brutal verraten wird – er ist sich dessen gewiss bewusst -, erreicht er den Zustand absoluter Ruhe. Ruhe von sich selbst und der Tragödie seines stürmischen Lebens.“ [David Grossmann: Löwenhonig]

In Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève

Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.

öffnen

Rahmenprogramm

schließen

Rahmenprogramm

Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts