Gastspiel des Béjart Ballet Lausanne


Maurice Béjart (1927 – 2007) / im Tempodrom

Im Tempodrom

„Ce que l’amour me dit“
Musik von Gustav Mahler (Sinfonie Nr. 3 d-Moll / 4., 5. und 6. Satz)
Uraufführung an der Opéra de Monte Carlo, Monaco im Dezember 1974

„Le Sacre du printemps“
Musik von Igor Strawinskij
Uraufführung am Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel, am 8. Dezember 1959
(Aufführungen am 17., 18. Oktober 2014)

„Bolero“
Musik von Maurice Ravel
Uraufführung am Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel, am 10. Januar 1961
(Aufführung am 19. Oktober 2014)

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Besetzung

Musikalische Leitung Donald Runnicles
James Feddeck (19.10.2014)
Alt Ronnita Miller
Einstudierung der Chöre William Spaulding (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin
Alt Ronnita Miller (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Tänzer Béjart Ballet Lausanne
Künstlerischer Leiter des Béjart Ballet Lausanne Gil Roman
Bolero-Solo Polina Semionova (19.10.2014)
Orchester Orchester der Deutschen Oper Berlin (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Chöre Chor der Deutschen Oper Berlin (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Chöre Kinderchor der Deutschen Oper Berlin (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Titel „Ce que l’amour me dit“
Choreografie Maurice Béjart
Choreographie Maurice Béjart (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Licht Roger Bernard
Kostüme (Konzeption) Judith Gombar
Kostüme (Realisation) Henri Davila
Titel „Le Sacre du printemps“
Choreografie Maurice Béjart
Choreographie Maurice Béjart (17.10.2014 | 18.10.2014 | 19.10.2014)
Bühne, Kostüme Pierre Caille
Licht Dominique Roman (19.10.2014)
Kostüme (Realisation) Henri Davila
Licht Dominique Roman
Titel „Bolero“
Choreografie Maurice Béjart
Licht Dominique Roman
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Informationen

Es ist lange her, dass das Béjart Ballet Lausanne in Berlin gastiert hat, gleichwohl ist der legendäre Choreograf Maurice Béjart selbst in Berlin präsent geblieben: beim Staatsballett Berlin mit seinen Arbeiten „Serait-ce la mort?“ oder „Ring um den Ring“. Dieses ‚Opus magnum‘ ist seit seiner Berliner Uraufführung in der Deutschen Oper Berlin mit Gründung des Staatsballetts Berlin 2004 in den Spielplan zurückgekehrt und bildete einen gewichtigen Schwerpunkt im Repertoire der seinerzeit neu gegründeten Berliner Ballettcompagnie.

Maurice Béjarts eigene Truppe, das Béjart Ballet Lausanne, das nach dem Tode des legendären Choreografen zum Hüter seines Choreografischen Erbes geworden ist, gastiert mit zwei Meisterwerken seines Repertoires beim Staatsballett Berlin, um auch zu Beginn der neuen Ära ein Zeichen zu setzen: „Ce que l’amour me dit“, 1974 uraufgeführt, und „Le Sacre du printemps“ von 1959 gelten als Schlüsselwerke seines Schaffens. Emotional aufgeladen und durch seine sehr persönliche Ideenwelt bereichert, teilen sich seine Werke unmittelbar mit und schöpfen ihren unverwechselbaren Ausdruck aus den Stimmungen der Musik und ihrer geradezu philosophischen Interpretation durch große Tänzerpersönlichkeiten. Mit seinen „Spectacles totales“, zu denen Béjart sich zeitlebens bekannte, hat er nicht nur Ballett-, sondern auch Theatergeschichte geschrieben.

Die beiden Werke, die das Béjart Ballet Lausanne im Tempodrom Berlin präsentiert, sind längst über jeden Zeitgeist erhaben und zeugen einmal mehr von der gewaltigen Kraft dieses Jahrhundert-Choreografen.

„Boléro“
Maurice Ravel hat einmal geäussert, es wundere ihn, dass sein Boléro so begeistert aufgenommen werde, denn „er enthält ja gar keine Musik“.

Es wird ihm aber klar gewesen sein, worauf die Faszination seiner Komposition beruht. Ein Thema perpetuiert sich unermüdlich selbst, nimmt dabei an Lautstärke und Intensität stetig zu und verschlingt auf seinem Höhepunkt wie ein Strudel den Klang und die Melodie. Wenn man will, kann man darin eine „musikalische Hybris“ sehen, die, indem sie immer nur dasselbe Thema verstärkt und vergrössert, nicht auf eine neue Stufe vordringt, sondern letztlich zum Zusammenbruch führt – wie Wissen, das nicht von leitender und motivierender Weisheit geordnet und weiterentwickelt, sondern nur aufeinandergestapelt wird.

Béjarts Choreografie exerziert diesen Vorgang unbeirrt nach. Während viele Vorläufer versuchten, ihre „Boléro“-Choreografien pittoresk auszustatten, lehnt Béjart jegliche Hilfsmittel ab. Er vertraut vollständig auf die Kraft der musikalischen Entwicklung und ihrer adäquaten Umsetzung in Bewegung. Damit erzielt er eine bis dahin unerreichte Klarheit. Die zentrale Rolle – die Melodie – kommt einer Solistin oder einem Solisten zu. Den Rhythmus interpretieren Gruppen von Tänzer, die den Solisten umkreisen und denen sich gemäß den „Steigerungsrunden“ der Komposition von Wiederholung zu Wiederholung weitere hinzugesellen. Immer mächtiger wird der Rhythmus, immer zahlreicher, immer drängender umkreist das Corps de Ballet die einsame „Melodie“, bis mit dem letzten Ton alles wirkungsvoll in sich zusammenstürzt.

Präsentiert von kulturradio vom rbb