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Charles Castronovo über „La Rondine“

Ehrlich und direkt – das Geheimnis guten Puccini-Gesangs.

Inszeniert wurde „La Rondine“ an der Deutschen Oper Berlin von Rolando Villazón. Als Ruggero war bereits bei der Premiere im März 2015 Charles Castronovo zu erleben, der diese Partie auch jetzt wieder übernehmen wird.

La Rondine
Dirigent: John Fiore
Regie: Rolando Villazón
Mit u. a. Ermonela Jaho, Alexandra Hutton, Charles Castronovo, Matthew Newlin, Stephen Bronk
Ab 12. Februar 2019

Ab dem 12. Februar steht Giacomo Puccinis Oper „La Rondine“ wieder auf dem Spielplan der Deutschen Oper Berlin. Das Stück erzählt von der Lebedame Magda, die von allen „die Schwalbe“ – auf Italienisch „la rondine“ – genannt wird. Sie verliebt sich in den jungen und naiven Ruggero und gibt für ihn ihr bisheriges Leben im mondänen Paris auf, um mit ihm gemeinsam aufs Land zu ziehen. Doch letztlich entscheidet sie sich ebenso gegen Ruggero wie gegen eine Rückkehr zu ihren früheren Geliebten – und stattdessen für ein Leben in Freiheit: „Die Schwalbe setzt ihren Flug fort“. „La Rondine“ ist eine der eher selten gespielten Opern Puccinis. Ursprünglich war das Werk, dessen Entstehung 1913 durch einen Auftrag des Wiener Carltheaters angeregt worden war, als Operette geplant. Doch während der Arbeit an dem letztlich 1917 in Monte Carlo uraufgeführten Stück entschied sich Puccini für die durchkomponierte Form einer Oper, die indes deutlich leichter, lyrischer und weniger dramatisch ist als etwa „Tosca“ oder „Turandot“.

Charles Castronovo als Ruggero
Charles Castronovo in „La Rondine“ © Bettina Stöß
 

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rolando Villazón, der ja seinerseits ebenfalls Tenor ist?
Ich bin mit Rolando seit 1997 befreundet. Wir waren damals zusammen in einem Young Artists-Programm in San Francisco und standen beide noch am Anfang unserer Laufbahn. Wir haben damals zwei Opern erarbeitet: „Die Zauberflöte“ und „La Traviata“. Ich sang Tamino, und er sang Alfredo. Und ich erinnere mich, dass alle dachten, wir würden erbitterte Rivalen werden. Als die beiden „ersten Tenöre“ dieses Sommers. Aber wir haben uns den Übungsraum geteilt, zusammen Dinge ausprobiert und uns geholfen. Als wir uns dann bei „La Rondine“ trafen, war ich überrascht, wie viele großartige Ideen er als Regisseur hatte. Ich kannte ihn ja bislang nur als Sänger.

Was ist das Spezifische seiner Inszenierung?
Rolando hat das Stück von den 1850er Jahren in die „Roaring Twenties“ verlegt, wodurch er es – gerade im zweiten Akt, der im Nachtclub spielt – mit viel Glamour erzählen kann. Ansonsten bringt er die Geschichte sehr ehrlich und direkt auf die Bühne und fügt einzelne Momente hinzu, die der Inszenierung ihren ganz eigenen Charakter verleihen. Etwa die drei maskierten Männer, die Magda wie Schatten oder Erinnerungen begleiten und deren Funktion erst ganz am Ende des Stückes erklärt wird. Und so gibt es eine ganze Reihe sehr subtil eingesetzter Handlungsmomente, die der Inszenierung ihren individuellen Charme geben.

Welche Bedeutung hatte die Partie des Ruggero für Sie, als Sie sie vor vier Jahren erstmals hier in Berlin gesungen haben?
Ich habe bislang nicht sonderlich viele Puccini-Partien gesungen – neben Ruggero in „La Rondine“ lediglich noch Rudolfo in „La Bohème“. Die anderen großen Tenorpartien sind für meine Stimme etwas zu schwer. Daher hat es mich überhaupt erst einmal gefreut, eine Puccini-Partie singen zu können. Man hat diese Überfülle an wundervollen Melodien, die für mich sehr leicht zu lernen waren. Aber darüber hinaus ist der Ruggero von einem technischen Gesichtspunkt aus sehr interessant: Die Partie liegt, von einigen Spitzentönen mal abgesehen, für einen Tenor nicht sonderlich hoch. Dann kommt aber der reiche und extrem farbige Orchestersatz hinzu, der auch vom Sänger einen großen Reichtum an Klangfarben verlangt. Der Arbeit hieran galt mein Hauptaugenmerk, als ich die Rolle einstudiert habe.

Welche Bedeutung hat der Ruggero für Ihre stimmliche Entwicklung?
In den letzten Jahren ist meine Stimme etwas dunkler und zugleich schwerer geworden. Das ist, denke ich, geschehen, weil ich Geduld hatte und mein Repertoire nur sehr allmählich erweitert habe. Wenn ich eine Partie studiere, die eine etwas schwerere oder schärfere Stimme erfordert, mache ich das sehr vorsichtig und warte immer ab, wie sich dann die Stimme weiter entwickelt. Innerhalb dieser Entwicklung kam der Ruggero zur rechten Zeit.

Was ist das Besondere an „La Rondine“?
Niemand stirbt in der Oper. Und das ist selten bei Puccini. Zu Ruggero: Er ist ehrlich. Er ist jung. Er ist glücklich. Er ist das erste Mal in Paris. Und bei allem, was er tut: Er macht es zu hundert Prozent. Magda verliebt sich in ihn, aber aufgrund ihrer Vergangenheit und ihres bisherigen Lebens gelingt es ihr nicht, sich vollständig zu ihm zu bekennen. Das lässt ihn bis zu einem gewissen Punkt ratlos zurück. Die Herausforderung bei der Gestaltung dieser Partie besteht darin, die wundervollen Melodien mit diesem überquellenden „Puccini-Feeling“ zu singen und gleichzeitig ehrlich und direkt zu bleiben.