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Endlich wieder spielen! Doch bis es soweit ist, verschickt Operndirektor Christoph Seuferle monatelang Emails, telefoniert, hält Gäste und Ensemble bei Laune, stellt den Spielplan um. Ein Gespräch über die hohe Kunst des Planens

Finden Sie hier den gesamten Spielplan ab 27. September

Herr Seuferle, fast täglich ändern sich Bestimmungen – und damit auch der Spielplan. Wie halten Sie die Bälle in der Luft?
Ich konzentriere mich auf Fixpunkte. Momentan ist das die Premiere der WALKÜRE am 27. September. Durch ein sehr aufwändiges und ausgeklügeltes Testkonzept können wir diese Inszenierung komplett normal aufführen.

Wie funktioniert Ihr Testkonzept?
Wir untersuchen jeden Tag alle an den Proben Beteiligten auf Covid-19, das sind bis zu 50 Tests pro Tag. Für das Orchester im Graben kommen dann nochmal 100 Tests pro Tag dazu. Damit wir tatsächlich angstfrei proben können, brauchen wir die Negativ-Ergebnisse rasch und zuverlässig; zum Glück schafft unser Partner-Labor das. Alle anderen Veranstaltungen müssen wir ändern auf das Abstandsprinzip.

Wie halten die Chormitglieder Abstand?
Zurzeit müssen wir zwei Meter zwischen allen Singenden einhalten – das macht große Chor-Opern unmöglich. Mit diesen Abständen passen Chöre nicht einmal in die Bühnenbilder. Also werden wir kreativ: Im Oktober etwa zeigen wir eine TOSCA konzertant, der Chor wird von der Hinterbühne zugespielt. Bei Wagner denkt man ja an große Chöre, aber in der WALKÜRE gibt es keinen Chor.

Wie plant man, wenn man nicht planen kann?
Wir arbeiten immer das ab, was gerade vor uns liegt. Zurzeit wissen wir, dass wir verschiedene konzertante Stücke spielen können, und ich versuche, die gebuchten Künstler auf die neuen Termine zu verschieben.

Sie sind als Operndirektor für Besetzungen verantwortlich und stehen im Epizentrum des Buchungschaos. Was sind Ihre größten Herausforderungen?
Wenn es nicht anders geht, müssen wir den Sängerinnen und Sängern schlicht und einfach absagen. Das fällt uns sehr schwer, aber jeder versteht, dass wir gerade unmöglich unser ursprünglich geplantes Programm aufführen können.

Gerade für Freischaffende ist das eine prekäre Situation. Wie gehen Sie damit um?
Wir haben eine Ausfallregelung, die einen gewissen finanziellen Rückhalt gibt – aber tatsächlich ist für viele Freischaffende eine lange Absageserie tragisch, sie fallen von einem relativ steten Geldfluss teilweise auf null. Natürlich versuchen wir, bestehende Verträge zu retten. In unseren »Best-of«-Abenden, bei denen wir die schönsten Stücke einer Oper zeigen, treten einige bereits gebuchte Solisten auf. Im Oktober wird etwa Aigul Akhmetshina, eine der interessantesten neuen Mezzosopranistinnen, die Carmen in der konzertanten »Best of CARMEN« singen.

Das Operngeschäft ist ein globales. Wie funktioniert das nun?
Es ist kompliziert. Manche Künstler reisen aus Risikogebieten an. Momentan müssen sie – um die 14-tägige Quarantäne zu umgehen – einen negativen Covid-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ab Oktober gelten wahrscheinlich für Einreisende aus Risikogebieten sogar uneingeschränkt fünf Tage Quarantäne. Da warten noch einige Herausforderungen auf uns.

Sie haben für diese Spielzeit neue Talente an die Deutsche Oper Berlin geholt. Wie gelingt denen der Einstieg ins Ensemble?
Sie glauben nicht, was die jungen Sänger für Hürden überwinden mussten, um zu uns zu gelangen. Einige kommen aus den USA, da waren Visa-Stellen nicht besetzt, Papiere wurden nicht bearbeitet, eine Künstlerin wurde für einen Flug nicht zugelassen. Alle freuten sich auf schöne Partien auf der Hauptbühne … Jetzt können wir uns erstmal nur darauf vorbereiten.

Wie unterstützen Sie diese jungen Sängerinnen und Sänger?
Gerade arbeiten unsere Pianisten so viel wie möglich mit den Sängern an Partien, die relativ sicher im Frühjahr auf sie zukommen. Außerdem proben sie Repertoirerollen, die sie einfach mal ausprobieren möchten. So bleiben alle im Training.

Wie halten Sie ihr hervorragendes Ensemble bei Laune?
Für unser Ensemble – und natürlich für unser Publikum – zeigen wir im Oktober Arien-Abende, das sind Abende mit Klavier, in denen unser Ensemble seine Lieblingsstücke vorstellt, Arien wie Ensemblestücke. Ich kann es kaum abwarten, sie nach Monaten zum ersten Mal auf der Bühne zu hören.

Wie halten Sie sich selbst bei Laune?
Ich bin grundsätzlich optimistisch. Für mich ist klar: Diese Situation wird uns nicht ewig begleiten. Alle sind momentan wahnsinnig motiviert. Manch Mitarbeiter, der sich sonst über zu viel Arbeit beklagt, fragt jetzt: »Wann können wir endlich wieder auf die Bühne?« Ich spüre viel Bereitschaft und Lust. Vielleicht gibt es sogar mehr Demut vor dem, was wir da machen. Jeder darf hier jeden Abend »spielen«, auf der Bühne und im Graben. Gibt es ein schöneres Privileg, mit dem man sogar seinen Lebensunterhalt verdienen kann?

Gibt es auch Tiefpunkte?
Gibt es nicht. Wir machen einfach munter weiter.