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17. Dez

Über Vicco von Bülow

Loriot hatte an der Deutschen Oper Berlin ein künstlerisches Zuhause. Als langjähriger Moderator der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung und Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin und ihres Orchesters, aber auch mit seinen Texten zu „Wagners Ring an 1 Abend“ und „Babar, der kleine Elefant“ ist er beim Berliner Opernpublikum unvergessen. Die DVD-Sammlung „Loriot und die Musik“ fasst sein Engagement an der Deutschen Oper zusammen. Die Aids-Gala am 5. November 2011 war dem im August verstorbenen großen Humoristen gewidmet, ebenso wie zwei hochkarätig besetzte Vorstellungen von Bernsteins CANDIDE mit Loriots Texten im nächsten März. Über die Zusammenarbeit mit Loriot sprach Martina Helmig mit dem ehemaligen Operndirektor und jetzigen Kulturmanager Alard von Rohr.

... Nicht nur durch die Aids-Gala war er eng mit der Deutschen Oper Berlin verbunden ...
 

Berliner Morgenpost: Wie sind Sie Loriot begegnet?
Alard von Rohr: Schon für die erste Aids-Gala 1994 wollte ich Loriot unbedingt gewinnen. Aber er hatte keine Zeit und war damals auch eng mit der Bayerischen Staatsoper München verbunden. Ich habe trotzdem weiter um ihn gebuhlt. Wir sind auf die Idee gekommen, bei der zweiten Gala seinen „Ring an 1 Abend“ zu machen. Da hat er dann freudig zugesagt. Er merkte, welchen Erfolg er beim Berliner Publikum hatte und fasste Vertrauen. Von der vierten Gala an stand er uns jedes Jahr zur Verfügung. Ich bin im Rückblick unendlich dankbar, dass wir ihn haben durften und dass er uns die Treue gehalten hat.

Warum wollten Sie ihn unbedingt gewinnen?
Ich hatte in München erlebt, wie er eine Operngala moderiert hat. Ich fand das absolut vorbildlich, einfach ideal. Ich konnte mir für Berlin nichts Besseres vorstellen. Sein Humor hat so viele Schattierungen und lebt von seiner großen Kenntnis der Menschen und der Psychologie. Der Ausdruck Humor ist eigentlich zu wenig dafür. Nach dem ersten Treffen war ich auch fasziniert von seiner Persönlichkeit.

Wie war er als Mensch und in der Zusammenarbeit?
Ganz natürlich und unprätentiös. Er wusste genau, worauf es ankam und welche Bedingungen er brauchte. Wenn man ihm das geeignete Umfeld geschaffen hat, war er zu allem bereit, nahm alle Mühen auf sich, war enorm fleißig, exakt, präzise und zuverlässig. Was er versprach, hielt er minutiös ein. Er hat sich ein halbes Jahr vorher mit dem Programm auseinandergesetzt, die Texte formuliert und dann immer wieder umformuliert. Ihm kam es auf jedes einzelne Wort an. Es war einfach faszinierend zu sehen, wie er die Geschichten immer weiter verbessert hat, wie er sie immer mehr auf den Punkt brachte. Seine Texte waren immer überraschend, subtil und kenntnisreich.

Was für eine Beziehung hatte er zur Oper?
Er war früher Statist an der Stuttgarter Staatsoper gewesen. Der Blick hinter die Kulissen hat seine Leidenschaft für die Oper beflügelt. Er liebte die Oper und besonders Wagner, ging regelmäßig in Aufführungen und las Kritiken. Für Sänger und Inszenierungen interessierte er sich sehr. Den FREISCHÜTZ und MARTHA hat er selbst inszeniert. Die Oper war sein ganz großes Hobby.

Hatten Sie das Gefühl, dass die Deutsche Oper mehr und mehr zu seiner Heimatoper wurde?
Ja, er identifizierte sich immer stärker mit dem Haus. Es hat ihm großen Spaß gemacht, hier aufzutreten, und er hat sich gern Vorstellungen angehört. Aber nicht nur der Deutschen Oper, sondern auch der Stadt Berlin hat er sich immer weiter angenähert. Es wurde vielleicht sogar seine erste Heimat. Er hatte eine Wohnung am Savignyplatz, da hat er sich sehr wohl gefühlt. Ich konnte ihm dann auch helfen, den Kontakt zur Universität der Künste herzustellen, wo er mit großer Leidenschaft unterrichtet hat.

Hat er auch sonst oft an Benefizveranstaltungen teilgenommen?
Es war wohl hauptsächlich die Aids-Gala. Das soziale Engagement hat ihn interessiert. Er konnte sich mit dem Anliegen identifizieren, den Aids-Kranken zu helfen. In den letzten Jahren mussten wir ihn aber immer wieder überreden, doch noch einmal zu moderieren. Er bestand darauf, Otto Sander hinter der Bühne an seiner Seite zu haben. Er wäre eingesprungen, wenn Loriot einmal eine Kreislaufschwäche gehabt hätte. Es ist glücklicherweise nie passiert. 2003 hat er in der Abschlussmoderation gesagt: »Wie immer zum letzten Mal«. 2004 fand dann wirklich die letzte Gala mit ihm statt. Es wurde zu anstrengend. Älter werden empfand er als eine Zumutung. Als Besucher war er später noch ab und zu dabei, auch häufig bei den Generalproben. Er hatte Schwierigkeiten mit seinem Rücken und konnte nicht mehr gut zwei Stunden sitzen.

Worüber haben Sie sich unterhalten? Hat er um Rat gefragt, wenn es um Opern ging?
Nein, er wusste genau Bescheid. Er wollte höchstens etwas über die Hintergründe der Sänger wissen. Wir haben über Politik, Theater, Inszenierungen und vieles andere gesprochen. Er interessierte sich für alles.

Waren Sie bis zuletzt mit Loriot in Kontakt?
Ich habe drei, vier Monate vor seinem Tod noch mit ihm telefoniert, da war die Stimme schon sehr klein und zögerlich geworden. An der Deutschen Oper Berlin wird er immer als überragende Persönlichkeit in Erinnerung bleiben. Alles um ihn war Kult. Wie er auf die Bühne kam, wie er die Seiten umblätterte, wie er so über seine Brille hinweg das Publikum anschaute, das hatte alles seinen eigenen unnachahmlichen Stil.

Dieses Gespräch entstand für die Beilage der Deutschen Oper Berlin in der Berliner Morgenpost.