Sinfoniekonzert


Aribert Reimann zum 80. Geburtstag

In Zusammenarbeit mit der Komischen Oper Berlin und der Staatsoper im Schiller Theater

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Aribert Reimanns Musik sprengt vertraute Mechanismen der Musikwelt. Denn sie steht quer zu dem, was im Zusammenspiel von musikhistorischen Entwicklungen, den Marktgesetzen der Kulturindustrie und der Publikumsentwicklung der letzten 70 Jahre als der vermeintliche Normalfall für einen Komponisten seiner Generation ebenso gilt wie für die Musik der Gegenwart insgesamt. Oder anders gesagt: Reimanns Erfolg dürfte es eigentlich gar nicht geben, etwa den seiner Oper LEAR mit ihren inzwischen über 30 Produktionen. Zwar hat sich der 1936 in Berlin als Kind des Kirchenmusikers Wolfgang Reimann und der Sängerin und Gesangspädagogin Irmgard Reimann-Rühle geborene Komponist in den frühen Jahren seiner künstlerischen Laufbahn fern von den Zentren der musikalischen Avantgarde aufgehalten. Weder hat er als Jungkomponist bei den Darmstädter Ferienkursen reüssiert, noch ist er durch prominente Aufführungen in den Zentren und Konzertreihen der Nachkriegsavantgarde hervorgetreten. Stattdessen machte er sich gerade beim breiteren, auch konservativeren Publikum in jenen Jahren einen Namen als hochsensibler, das klassisch-romantische Repertoire tief durchdringender Liedbegleiter, etwa an der Seite von Elisabeth Grümmer, Rita Streich, Catherine Gayer und Dietrich Fischer-Dieskau – beide verband darüber hinaus die gemeinsame „musikalische Heimat“ an der Deutschen Oper Berlin, die bis 1961 noch Städtische Oper Berlin hieß. An deren Studio war Reimann ab 1955 als Korrepetitor engagiert, parallel zu seinem Studium an der Hochschule für Musik unter anderem bei Boris Blacher und Ernst Pepping.

In seiner eigenen Musik blieb Reimann jedoch einer atonalen Musiksprache verpflichtet, dem eigentlichen Ausschlusskriterium für einen breiteren Publikumserfolg. Reimann ist hierbei zwar, gleich seinem Lehrer Boris Blacher, nie dogmatisch vorgegangen. Und er hat sich mehr in der Tradition der Vorkiegsavantgarde positioniert, als aktiv in die ästhetischen und publizistischen Positionskämpfe der Nachkriegszeit einzutauchen. Dennoch ist Reimanns Musik aber in einem doppelten Sinne kompromisslos modern. In ihrer Entwicklung einer Harmonik abseits der Dur-Moll-Tonalität, in der Arbeit mit Clustern, mit hochkomplexen polyphonen Feldern oder auch mit Vierteltönen und einer vierteltönigen Harmonik. Aber auch mit der bedingungslosen Ernsthaftigkeit im Zusammenspiel von musikalischen Mitteln und Expression. Reimanns Musik ist weitab vom eklektischen Spiel mit musikalischem Material, wie vom trotzig-pubertären Gestus ästhetischer Regression im Namen der Postmoderne um höchste Wahrhaftigkeit im Kontext der jeweiligen Gegenwart bemüht.

Eines der wichtigsten Medien künstlerischen Ausdrucks ist hierbei die menschliche Singstimme. Hier ist Reimann einem Weg der Nachkriegsmoderne nicht gefolgt: Der postulierten Krise des Gesangs und dem Interesse für erweiterte vokale Stimmtechniken. Reimann ist der Tradition des europäischen Kunstgesangs treu geblieben, hat aber, in seinen unzähligen Vokalwerken vom unbegleiteten Solo über das Klavier- bis hin zum Orchesterlied und seinen inzwischen acht Opern das Potenzial der Singstimme in ihren sämtlichen Facetten erweitert und erforscht. So hat er emotionale Räume neu erschlossen und für die Bühne des Musiktheaters Figuren von ergreifender Eindrücklichkeit erschaffen. Und vielleicht liegt in dieser Nähe, die sich insbesondere zu den Bühnenfiguren Reimanns immer wieder schnell und unmittelbar einstellt, auch der Schlüssel zum Erfolg einer Musiksprache, die selbst im Alterswerk des längst etablierten und hochgeehrten Komponisten in ihrer Gegenwärtigkeit widerständig und herausfordern bleibt – und mit der Reimann dennoch immer wieder auch ein breiteres Publikum erreicht. An der Deutschen Oper Berlin hat Aribert Reimann nicht nur seine ersten Berufsjahre verbracht, auch vier seiner Bühnenwerke wurden durch das Haus zur Uraufführung gebracht: das Ballett DIE VOGELSCHEUCHEN und die drei Opern MELUSINE, DIE GESPENSTERSONATE und DAS SCHLOSS.

Am 4. März 2016 feiert Aribert Reimann seinen 80. Geburtstag und die Deutsche Oper Berlin ehrt ihn am 22. März mit einem Sonderkonzert. Am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin steht Generalmusikdirektor Donald Runnicles, Solisten sind die Sopranistinnen Laura Aikin und Julia Giebel (Ensemblemitglied der Komischen Oper Berlin) sowie Daniel Barenboim (Generalmusikdirektor der Staatsoper im Schiller Theater) am Klavier.

Auf dem Programm u. a.

Jean Sibelius (1865 – 1957)
Sinfonie Nr. 4 a-Moll, op 63

Aribert Reimann (*1936)
Parerga zu „Melusine“ für Sopran

Drei Lieder nach Gedichten von Edgar Allan Poe
für Sopran und Orchester (1980 / 82)
I Sonnet-Silence “There are some qualities...”
II Dream-Land “By a route obscure and lonely...”
III To “I heed not that my earthly lot...”

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