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360° Rundgang durchs Opernhaus

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In Berlin-Charlottenburg wurde am 24. September 1961 das 1912 eröffnete und im Krieg zerstörte Opernhaus als Deutsche Oper Berlin wiedereröffnet. Es ist seither Berlins größtes sowie Deutschlands zweitgrößtes Musiktheater - und eines der modernsten in Europa. Das geradlinig-elegante Gebäude des Architekten Fritz Bornemann (u. a. Amerika-Gedenk-Bibliothek, Haus der Berliner Festspiele) bietet 1.859 Plätze und garantiert optimale Sichtverhältnisse sowie beste Akustik für jeden Besucher.



Die Deutsche Oper Berlin im virtuelle Rundgang mit Blicken in die Kostümschneiderei, den Fundus, den Chor- und Orchestersaal, mit Blicken auf der Bühne und in der Tischlerei [Cultural Institute]

Alternativ: Die Deutsche Oper Berlin im virtuellen Rundgang [www.begehungen.de]

Der Intendant: Dietmar Schwarz

Dietmar Schwarz

 

Dietmar Schwarz wurde in Biberach an der Riss geboren. Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in München und an der Pariser Sorbonne. Seine beruflichen Stationen waren das Theater Freiburg, das Bremer Theater und die Oper Frankfurt. 1994 kehrte er als Leitender Dramaturg für Musiktheater an das Bremer Theater unter der Intendanz von Klaus Pierwoß zurück. Ab 1998 war er Operndirektor am Nationaltheater Mannheim, von 2006 bis 2012 in gleicher Position am Theater Basel. Unter seiner Leitung wurde das Haus in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Opernwelt“ zwei Mal in Folge zum „Opernhaus des Jahres“ (2009 und 2010) gewählt.

Im Sommer 2012 übernahm Dietmar Schwarz die Intendanz der Deutschen Oper Berlin, die er programmatisch mit Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ eröffnete. Denn die Präsentation zeitgenössischen Musiktheaters ist ihm ein besonderes Anliegen: Neben Werken von Mauricio Kagel, Iannis Xenakis und Georg Friedrich Haas in den darauffolgenden Spielzeiten wurden Aufträge auch für Kompositionen an Andrea Lorenzo Scartazzini, Aribert Reimann, Detlev Glanert und Chaya Czernowin vergeben.

 

Neben der Erneuerung des klassischen Repertoires durch Regisseure wie Christof Loy, Robert Carsen, Christian Spuck und Benedikt von Peter bildet die französische Grand Opéra einen Programm­schwerpunkt: so erfuhren die wichtigsten Werke von Giacomo Meyerbeer oder Hector Berlioz an der Deutschen Oper Berlin Neuproduktionen. Gemeinsam mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles verfolgt Dietmar Schwarz Saison übergreifend die Präsentation von Werken Benjamin Brittens.

 

Die Spielstätte TISCHLEREI (eröffnet im November 2012) schafft einen perfekten Raum für Experimente mit neuen Formen des Musiktheaters und Uraufführungen von Kinderopern sowie für Projekte des Jugendprogramms, die Dietmar Schwarz ein besonderes Anliegen sind.

 

Er ist Mitglied der Intendanten-Jury des Ring Awards, des Internationalen Wettbewerbs für Regie und Bühnengestaltung in Graz. Außerdem ist er Mitglied des Think Tanks zur Zukunft der Luzerner Theaterlandschaft, durchgeführt durch das Theater Werk Luzern. Dietmar Schwarz wurde zum Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ernannt.

Der Generalmusikdirektor: Donald Runnicles

Donald Runnicles © 2018, Simon Pauly

 

Der aus Schottland stammende Donald Runnicles ist seit 2009 Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Seit 2006 leitet er außerdem das Grand Teton Music Festival und ist Principal Guest Conductor des Atlanta Symphony Orchestras. Von 2009 bis 2016 war er zudem Chefdirigent des BBC Scottish Symphony Orchestras, seitdem ist er dessen „Conductor Emeritus“.

Sein Debüt an der Deutschen Oper Berlin gab er 1989 mit Verdis TROUBADOUR. 2007 machte er mit dem fulminanten Dirigat zweier Zyklen des RING DES NIBELUNGEN von sich reden. Seit seinem Amtsantritt leitete er die Premieren von DIE TROJANER, TRISTAN UND ISOLDE, DON CARLO, JENUFA, LOHENGRIN, PARSIFAL, PETER GRIMES, FALSTAFF, BILLY BUDD, FAUSTS VERDAMMNIS, LADY MACBETH VON MZENSK, ROMEO UND JULIETTE, DIE SACHE MAKROPULOS, DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL, COSI FAN TUTTE, TOD IN VENEDIG, DER FLIEGENDE HOLLÄNDER sowie die Uraufführung von L‘ INVISIBLE und OCEANE. Weiter dirigierte er u. a. Aufführungen von HÄNSEL UND GRETEL, MANON LESCAUT, DER ROSENKAVALIER, OTELLO, TANNHÄUSER, PELLEAS UND MELISANDE, DON GIOVANNI, TOSCA, DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG und DER RING DES NIBELUNGEN.

 

Runnicles ist regelmäßiger Gast an international führenden Opernhäusern und gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten sowohl des symphonischen als auch des Opernrepertoires der romantischen und nachromantischen Zeit.

 

Zur vollständigen Biografie

Der Geschäftsführende Direktor: Thomas Fehrle

Thomas Fehrle

 

 

 

Thomas Fehrle wuchs in Hamburg auf und beendete 1989 sein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Lüneburg. Anschließend war er Trainee in der kaufmännischen Verwaltung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Von 1990 bis 1991 war er als Vertriebsleiter beim Trägerverein Kampnagel e. V. Hamburg tätig. Von 1992 bis zum Frühjahr 1994 leitete er die allgemeine Verwaltung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 1994 ging er nach Stralsund/Greifswald, wo er als Intendant, Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer des Vorpommerschen Theaters und Sinfonieorchesters arbeitete.

 

Seit 1998 war er Verwaltungsdirektor des Staatstheaters Braunschweig, ab 2004 zusätzlich stellvertretender Generalintendant des Staatstheaters. Thomas Fehrle ist Mitglied im Vorstand des Landesverbandes Nord des Deutschen Bühnenvereins und Beisitzer beim Bühnenschiedsgericht in Hamburg. Für das Staatstheater Braunschweig engagiert er sich außerdem als 2. Vorsitzender der Stiftung für das Staatstheater Braunschweig.

 

Thomas Fehrle ist seit 1. August 2011 Geschäftsführender Direktor der Deutschen Oper Berlin.

Die Deutsche Oper Berlin architektonisch betrachtet

Lesen Sie hier ein Essay zur geschichtlichen Einordnung der Architektur des Hauses unter dem Blickwinkel der repräsentativen Nachkriegsarchitektur ... Von Architekturkritiker und Autor Gerwin Zohlen

 

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Fassade der Deutschen Oper Berlin

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Kontakt und Information

Markus Winterstein
Assistent der Opernleitung
Telefon: +49 (0)30 34384 199
Fax: +49 (0)30 34384 682

E-Mail: winterstein@deutscheoperberlin.de

Zur Geschichte: Die Gründung

Deutsches Opernhaus

Die Geschichte des Berliner Opernhauses an der Bismarckstraße ist geprägt von den Ereignissen, die die Stadt seit der Gründung der Oper im November 1912 durchlebt hat. Die vielleicht wichtigste Zäsur bedeutete die Nacht vom 23. November 1943, als Bomben große Teile des Gebäudes zerstörten und das Haus in Schutt und Asche legten. Damit fand eine Entwicklung ihr vorläufiges Ende, die vielversprechend begonnen hatte: Nach der Eröffnung der ersten Berliner „Bürgeroper“ wurde das Deutsche Opernhaus, wie es zunächst hieß, schnell zu einer Institution von großer Beliebtheit. Die Führung des Hauses setzte von Beginn an auf hochkarätige Dirigenten und ein hervorragendes Sängerensemble – eine Tradition, die bis heute besteht.

 

Doch trotz der Wertschätzung des Publikums geriet die Oper bald in finanzielle Schwierigkeiten. Revolution und Wirtschaftskrise führten zu Einbrüchen bei den Abonnentenzahlen, hohe Pachtzahlungen an die Stadt Charlottenburg verschärften die Lage zusätzlich. Die „Betriebs-Aktiengesellschaft“ unter der Führung des „Großen Berliner Opernvereins e.V.“, der die Gründung initiiert und auf den Weg gebracht hatte, zog sich aus dem Betrieb zurück.

 

1925 übernahm die Stadt Berlin das Opernhaus. Das „Deutsche Opernhaus“ wurde zur „Städtischen Oper“. Unter der musikalischen Leitung des Gustav-Mahler-Schülers Bruno Walter und mit dem vormaligen Breslauer Theaterchef Heinz Tietjen als Intendant wollte man das Haus als repräsentative Spielstätte für anspruchsvolles Musiktheater etablieren.

 

Die Rechnung ging auf. Mit einer Festvorstellung von Richard Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG begann eine neue Ära: Bedeutende Sängerinnen und Sänger bereicherten das Ensemble, sorgfältigste Arbeit am gängigen Repertoire, aber auch eine Reihe von unbekannten Werken des späten 19. Jahrhunderts sowie die Opern Wolfgang Amadeus Mozarts, denen sich Bruno Walter besonders verbunden fühlte, machten die Städtische Oper zu einem kulturellen Brennpunkt in einer Stadt, die in den 20er Jahren vor Kreativität und Innovationsgeist nur so sprühte. Skandalträchtige Neuheiten wie Ernst Kreneks JONNY SPIELT AUF oder Kurt Weills Einakter DER PROTAGONIST und DER ZAR LÄSST SICH PHOTOGRAPHIEREN trugen dazu bei, dass das Haus gleichberechtigt neben den anderen beiden Opernbühnen Berlins, der Königlichen Hofoper Unter den Linden und der 1927 eröffneten „Kroll-Oper“, seinen Platz im kulturellen Leben der Stadt behauptete.

Zur Geschichte: 30iger Jahre bis zum Weltkriegsende

Deutsches Opernhaus © Archiv

 

 

Gegen Ende der 20er Jahre allerdings führten Differenzen zwischen Bruno Walter und Heinz Tietjen, der inzwischen auch für die Staatsoper tätig war, zu einer Krise der Städtischen Oper, die erst durch die Übernahme der Intendanz durch Carl Ebert überwunden werden konnte. Unter Ebert gelangte das Haus noch einmal zu hohem künstlerischem Ansehen: Man verpflichtete wichtige Dirigenten und große Regisseure, unter ihnen auch Gustaf Gründgens mit einer vielbeachteten Inszenierung von Offenbachs DIE BANDITEN; Eberts eigene Regiearbeiten, darunter die Uraufführung von Kurt Weills DIE BÜRGSCHAFT im März 1932 sowie eine legendäre Inszenierung von UN BALLO IN MASCHERA im Herbst desselben Jahres unter dem Dirigat von Fritz Busch wurden zu Höhepunkten in der Geschichte des Hauses an der Bismarckstraße.

 

 

 

Doch gab es bereits zu dieser Zeit Anzeichen für den drohenden Verfall: Pöbeleien gegen angeblich „undeutsche“ Kunst waren an der Tagesordnung, wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Februar 1933 stürmte eine Horde von SA-Leuten die Städtische Oper. Carl Ebert sollte gezwungen werden, die Linie der nationalsozialistischen Kunstanschauung zu vertreten. Er zog die Emigration vor. Zusammen mit Fritz Busch gründete er die Festspiele von Glyndebourne und setzte damit Maßstäbe kreativer Opernarbeit, die bis heute gültig sind.

 

Das Charlottenburger Opernhaus ging 1934 in den Besitz des Reichs über und wurde dem Propagandaministerium unterstellt. Demonstrativ wurde es nun wieder „Deutsches Opernhaus“ genannt. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels persönlich sorgte dafür, dass das vorwiegend deutsche Repertoire – zunächst noch durchaus glanzvoll, da ausreichend finanziert – die Werke der verpönten „Neutöner“ ablöste. Zugleich wurde das Haus umgebaut, um es für die repräsentativen Zwecke der Staatsführung besser nutzbar zu machen. Entgegen der ursprünglichen Idee eines standesunabhängigen Zuschauerraumes ohne Logen wurde eine „Führerloge“ installiert, nach Plänen Paul Baumgartens entstanden neue Verwaltungs- und Werkstättenbauten, die heute zum Teil noch erhalten sind. Erstmals übernahm auch das seit der Gründung der Oper bestehende Ballett eine stärkere Rolle bei der Spielplangestaltung.

 

Auch nach Ausbruch des Krieges und trotz erheblicher Schäden aufgrund von Luftangriffen im Jahre 1943 wurde der Spielbetrieb zunächst weiter aufrecht erhalten. Doch in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943 zerstörten Brandbomben das Opernhaus fast völlig, am 30. Januar 1944 fielen dann auch die Dienstgebäude den Bomben zum Opfer. Man spielte weiter im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße, doch im Herbst 1944 fiel auch hier, wie an allen anderen Theatern, der Vorhang. Der totale Krieg ließ die Musik verstummen.

Die Geschichte: Der Neubeginn

Wenige Monate nach Kriegsende, inmitten von Not und Zerstörung, gab es bereits die ersten Versuche, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Im fast intakten „Theater des Westens“ in der Kantstraße gab das Orchester Konzerte. Mit der Unterstützung der Besatzungsmächte, die ein spezifisches Interesse am kulturellen Wiederaufbau Berlins hatten und schon bald zusammen mit dem Berliner Magistrat den Wiederaufbau des Hauses an der Bismarckstraße beschlossen, wurde das Theater als provisorische Spielstätte hergerichtet und am 4. September 1945 mit Beethovens FIDELIO eröffnet. Intendant Michael Bohnen gelang es, mit Hilfe seines Orchesters und eines zum Teil neu zusammengefügten, hochmotivierten Ensembles nahezu aus dem Nichts – der Fundus an Bühnenbildern und Kostümen war zerstört worden – ein Repertoire aufzubauen, das an Vorkriegstraditionen anknüpfte.

 

Die Städtische Oper, wie das Haus inzwischen wieder hieß, konnte unter Bohnen und später erneut unter Heinz Tietjen ein Fundament legen, in dem die späteren Erfolge der Charlottenburger Oper wurzelten: Künstler wie Ferenc Fricsay, der von 1948 bis 1952 Generalmusikdirektor war, Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Grümmer, Martha Musial, Josef Greindl oder Ernst Haefliger, um nur einige wenige zu nennen, prägten in den fünfziger Jahren das Ensemble; Carl Ebert übernahm von 1954 bis 1961 wie schon zuvor die Intendanz und konnte erneut innovative künstlerische Impulse geben. Er war es auch, der die Rückkehr des Ensembles in das inzwischen neu errichtete Opernhaus an der Bismarckstraße leitete.

Zur Geschichte: Die Wiedereröffnung der Deutschen Oper Berlin

Die Skulptur wird aufgebaut © 1961, Archiv

 

 

Am 24. September 1961 wurde das von Fritz Bornemann entworfene neugebaute Zuschauerhaus mit Mozarts DON GIOVANNI wieder eröffnet. Auf Anregung von Ferenc Fricsay war aus der „Städtischen Oper“ die „Deutsche Oper Berlin“ geworden. Die Eröffnung fiel in eine Zeit, die wieder einmal voller politischer und gesellschaftlicher Umbrüche war. Sechs Wochen zuvor, am 13. August 1961, hatte die Führung der DDR eine Mauer errichten lassen, die den Ostteil Berlins und damit die beiden anderen Opernhäuser, die Staatsoper Unter den Linden und die Komische Oper, vom Westteil trennte. Berlin war eine Insel geworden und die Deutsche Oper Berlin eine der wichtigsten nationalen Kulturstätten überhaupt – für die West-Berliner das einzige große Musiktheater ihrer Stadt.

 

Nach der Eröffnung, die zugleich das Ende der Intendanzzeit Carl Eberts bedeutete, übernahm Gustav Rudolf Sellner, der mit der szenischen Erstaufführung von Arnold Schönbergs MOSES UND ARON in der Kantstraße Furore gemacht hatte, die Leitung; 1965 verpflichtete er den jungen Dirigenten Lorin Maazel als Generalmusikdirektor, der das Orchester zu Glanzleistungen führte. Die Dirigenten Karl Böhm und Eugen Jochum verstärkten ihr Engagement für das Haus.

 

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Deutsche Oper Berlin zu einem kulturellen Mittelpunkt, der Gaststars aus aller Welt anlockte. Junge Sängerbegabungen wurden entdeckt, die später an allen großen internationalen Bühnen tätig waren: Evelyn Lear, Gundula Janowitz, José van Dam, Pilar Lorengar, Leonie Rysanek, Anja Silja oder Agnes Baltsa. Zahlreiche Gastspiele führten das Ensemble an viele bedeutende Bühnen Europas, aber auch zu den Olympischen Spielen 1968 nach Mexico City oder, in den sechziger Jahren, dreimal nach Japan. Repräsentative Vorstellungen wichtiger Repertoire-Stücke, bahnbrechende Inszenierungen jüngerer Regisseure, die oft völlig neue Sichtweisen auf bekannte, aber auch auf noch unbekannte Werke der Moderne ermöglichten sowie wegweisende Wagner-Inszenierungen wie etwa des Bayreuther Reformers Wieland Wagner machten das Haus an der Bismarckstraße zu einem der führenden internationalen Opernhäuser.

 

Egon Seefehlner, der die Intendanz 1972 übernahm, führte diese Entwicklung fort. Unter seiner Ägide wurde Gerd Albrecht Chefdirigent, Jesús Lopéz Cobos wurde ebenfalls verpflichtet. Nach dem Weggang Seefehlners an die Wiener Staatsoper übernahm dann 1976 der renommierte Cellist Siegfried Palm die Intendanz, und auch ihm gelangen nach mancherlei Anfangsschwierigkeiten wichtige Erfolge. Edita Gruberova debütierte als Lucia di Lammermoor, Siegfried Jerusalem und Barbara Hendricks begannen ihre Karrieren, der Dirigent Giuseppe Sinopoli begeisterte Publikum und Fachwelt. Und noch ein großes Talent gab seinen Einstand an der Deutschen Oper Berlin: Der Felsenstein-Schüler Götz Friedrich inszenierte 1977 zum erstenmal an dem Haus, dem er wenige Jahre später, von 1981 an, als Generalintendant sein unverwechselbares Profil geben sollte.

Zur Geschichte: Die Intendanz Götz Friedrich

Götterdämmerung © 2010

Mit seiner Inszenierung von Leos Janáceks AUS EINEM TOTENHAUS begann die Intendanz Götz Friedrichs programmatisch: Die letzte Neuproduktion vor der Schließung der politisch und künstlerisch hochambitionierten „Kroll-Oper“, das packende Musiktheaterwerk Janáceks, wurde zum Beginn einer neuen Ära im Haus an der Bismarckstraße. Fesselndes Musiktheater, lebendige Oper – der Regisseur und Intendant Götz Friedrich führte das Haus zu höchster, auch internationaler Geltung.

 

Das Ensemble wurde durch wichtige Sängerpersönlichkeiten erweitert, Dirigenten wie Horst Stein, Giuseppe Sinopoli, Marcello Viotti, Christof Prick und Peter Schneider prägten das musikalische Gesicht des Hauses. Zusammen mit Götz Friedrich trat Jesus Lopez Cobos als Generalmusikdirektor an, seit der Spielzeit 1990/91 war Jiri Kout Erster Dirigent der Deutschen Oper Berlin. 1992/93 übernahm Rafael Frühbeck de Burgos die Leitung des Orchesters. Christian Thielemann bekleidete von 1997 bis 2004 das Amt des Generalmusikdirektors und Künstlerischen Leiters der Konzerte.

Namhafte Gastregisseure, darunter Herbert Wernicke, Jean-Pierre Ponnelle, John Dew, Günter Krämer, Hans Neuenfels oder Achim Freyer setzten Glanzlichter im außerordentlich innovativen Repertoire jener Jahre, das bei aller Vielfalt geprägt war vom Wirken des Hausherrn Götz Friedrich. Die Zahl seiner wegweisenden Inszenierungen, darunter eine beispielhafte Interpretation von Richard Wagners DER RING DES NIBELUNGEN, lässt sich in wenigen Sätzen nicht zusammenfassen, ebenso wenig sein Einfluss auf das musikalische Leben seiner Stadt, der er bis zu seinem Tod im Dezember 2000 immer wieder wichtige Impulse gab.

Zur Geschichte: Von Udo Zimmermann zu Kirsten Harms

Nachfolger Götz Friedrichs wurde der Leipziger Opernintendant Udo Zimmermann, der als Komponist von Werken wie LEVINS MÜHLE und DIE WEISSE ROSE als ausgewiesener Spezialist für Neue Musik gilt. Er leitete die Deutsche Oper Berlin von August 2001 bis zum Juni 2003. Seine Konzeption setzte auf Kontinuität und Erneuerung. Eine Vielzahl der Inszenierungen von Götz Friedrich, wichtige Arbeiten von Hans Neuenfels und Achim Freyer wurden im Repertoire lebendig gehalten. Götz Friedrichs DER RING DES NIBELUNGEN erlebte eine Wiederaufnahme. Udo Zimmermanns erste Spielzeit wurde durch zwei programmatische Ereignisse markiert: Peter Konwitschny inszenierte Luigi Nonos INTOLLERANZA, der Architekt Daniel Libeskind realisierte seine szenische Vision zu Olivier Messiaens SAINT FRANCOIS D´ASSISE. Seine Spielplangestaltung bezog selten gespielte Werke ein wie Mozarts IDOMENEO in der Regie von Hans Neuenfels, Cherubinis MÉDÉE, inszeniert von Karlernst und Ursel Herrmann oder Rossinis SEMIRAMIDE in der Regie von Kirsten Harms. Das theatrale Experiment der szenischen Realisation von Verdis MESSA DA REQUIEM durch Achim Freyer wurde zu einem Publikumserfolg. In der Spielzeit 2003/04 lag die Leitung des Oper in den Händen von Peter Sauerbaum, dem kommissarischen Leiter und geschäftsführenden Direktor der Deutschen Oper Berlin, sowie Heinz-Dieter Sense, dem kommissarischen künstlerischen Leiter des Hauses.

 

Von 2004 bis 2011 war die Hamburger Regisseurin Kirsten Harms Intendantin der Deutschen Oper Berlin. Seit August 2009 ist der Wagner- und Strauss-Experte Donald Runnicles neuer Generalmusikdirektor an der Bismarckstraße. Neben Wien und München verfügt die Deutsche Oper über ein in Europa einmaliges, gewissenhaft gepflegtes Repertoire von ca. 70 Operninszenierungen in vielfältigsten Regiehandschriften.

Ca. 40 Premieren-Produktionen prägten in der Ära Harms das Gesicht des Hauses genauso wie hervorragend besetzte Repertoirevorstellungen, spannende Diskussionsreihen und Konferenzen. Kirsten Harms selbst inszenierte hier GERMANIA, CASSANDRA / ELEKTRA, TANNHÄUSER, DIE FRAU OHNE SCHATTEN und DIE LIEBE DER DANAE und lud zahlreiche Regisseure von „renommiert-etabliert“ bis „jung und wild“ ein, den großen Opernwerken ihre jeweiligen Sichtweisen zu verleihen. Exemplarisch seien u. a. genannt: Marco Arturo Marelli, Graham Vick, David Pountney, Johannes Schaaf, Christoph Schlingensief, Robert Carsen, Andreas Kriegenburg, Katharina Thalbach, Philipp Stölzl, Lorenzo Fioroni oder Roland Schwab. In den letzten Jahren gastierten u. a. Anja Harteros, Elina Garanca, Anna Netrebko, Angela Gheorghiu, Patrizia Ciofi, Natalie Dessay, Waltraud Meier, Evelyn Herlitzius, Adrianne Pieczonka, José Cura, Jonas Kaufmann, Johan Botha, Klaus Florian Vogt, Vittorio Grigolo, Peter Seiffert, Roberto Alagna, Neil Shicoff, Joseph Calleja, Zeljko Lucic, Dmitri Hvorostovsky, Ildebrando D'Arcangelo sowie Matti Salminen.

 

Wiederentdeckungen verlorener oder verfemter Stücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben das Kernrepertoire erweitert: Hier seien u. a. Alberto Franchettis GERMANIA genannt, Alexander von Zemlinskys DER TRAUMGÖRGE, Vittorio Gnecchis CASSANDRA, Walter Braunfels’ SZENEN AUS DEM LEBEN DER HEILIGEN JOHANNA, Ottorino Respighis MARIE VICTOIRE und Hermann Wolfgang von Waltershausens OBERST CHABERT.

 

In der Saison 2011/2012 übernahm Christoph Seuferle als Kommissarischer Intendant zusammen mit Donald Runnicles und Geschäftsführer Thomas Fehrle die Verantwortung.

Zur Geschichte: Die Intendanz Dietmar Schwarz

Die Tischlerei

Am 1. August 2012 übernahm Dietmar Schwarz die Geschicke des Hauses. In seiner ersten Spielzeit, die gleichzeitig die 100. des Hauses an der Bismarckstraße ist, werden Helmut Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN, Richard Wagners PARSIFAL, Sergej Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN, Benjamin Brittens PETER GRIMES und Giuseppe Verdis RIGOLETTO zur Premiere kommen. Ein besonderes Augenmerk wird der Kinder- und Jugendarbeit gewidmet. Die neue Bühne in der Tischlerei wird dem Nachwuchs eine eigene Heimstatt werden mit Babykonzerten, Musiktheaterprojekten, Performances, Werkstätten.

 

Mit Xenakis’ Ausnahmewerk für Kammerorchester, Chor und Bariton, ORESTEIA, wurde der Premierenreigen 2014/2015 eröffnet, und zwar auf dem Oberdeck des Parkhauses Deutsche Oper, das dem Regie-Team um David Hermann eine ungewöhnliche Kulisse bieten wird. Weiter führten die Premieren in die Philharmonie, wo mit Meyerbeers DINORAH ein großer Meyerbeer-Zyklus eingeläutet wurde, der die kommenden Spielzeiten überspannt. Ebendort würdigte ARIADNE AUF NAXOS den 150-Jahr-Jubilar Richard Strauss, bevor im November Edita Gruberová eine ihrer absoluten Bravourpartien, die der Elisabetta I. in ROBERTO DEVEREUX, gab. Mit Brittens DIE SCHÄNDUNG DER LUCRETIA in einer Inszenierung von Fiona Shaw im Haus der Berliner Festspiele wurde der Zyklus mit Werken des britischen Komponisten nach PETER GRIMES und BILLY BUDD fortgesetzt, im Jahr 2017 folgte DEATH IN VENICE und nun, im Januar 2020, A MIDSUMMER NIGHT'S DREAM.

 

Seit 27. November 2014 kann das Ensemble der Deutschen Oper Berlin nach großen Renovierungsarbeiten an der Bühnenmaschinerie seine Bühne an der Bismarckstraße wieder bespielen. Im Laufe der Saison gelangen vier zentrale Werke des Opernrepertoires zur szenischen Premiere und markieren damit programmatische Schwerpunkte, die sich auch im Repertoire des Gesamtspielplanes finden: Mit Schostakowitschs LADY MACBETH VON MZENSK in der Inszenierung von Ole Anders Tandberg wird das russische Repertoire eine Erweiterung erfahren, mit ROMEO UND JULIETTE in der Inszenierung von Sasha Waltz und Gounods FAUST in der Inszenierung von Philipp Stölzl die französische Oper. Im März 2015 präsentierten wir eine Puccini-Werkschau, deren Höhepunkt sicherlich die Premiere von LA RONDINE in der Inszenierung von Rolando Villazón markierte.

 

In den darauffolgenden Spielzeiten wurden immer wieder zentrale Werke des Repertoires unserem Publikum in neuen Handschriften präsentiert: Seien dies Verdis AIDA (2015, Regie: Benedikt von Peter) oder LA FORZA DEL DESTINO (2019, Regie: Frank Castorf), Richard Strauss' SALOME (2016, Regie: Claus Guth), Wagners DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, 2017, Regie: Christian Spuck), Mozarts DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL (2016, Regie: Rodrigo García) oder COSI FAN TUTTE (2016, Regie: Robert Borgmann), seien dies Bizets CARMEN (20018, Regie: Ole Anders Tandberg), Bellinis LA SONNAMBULA (2019, Regie: Jossi Wieler und Sergio Morabito) oder Offenbachs LES CONTES D'HOFFMANN (2018, Regie: Laurent Pelly), Rossinis IL VIAGGIO A REIMS (2018, Regie: Jan Bosse) oder Massenets DON QUICHOTTE (2019, Regie: Jakop Ahlbom).

 

Auch seltener gespielte Werke des Opernrepertoires wurden immer wieder in den Spielplan gehoben, so schwerpunktmäßig die Grands Opéras von Giacomo Meyerbeer wie VASCO DA GAMA (2015, Regie: Vera Nemirova), LES HUGUENOTS (2016, Regie: David Alden) und LE PROPHETE (2017, Regie: Olivier Py) oder rare Opernwerke der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wie DAS WUNDER DER HELIANE (2018, Regie: Christof Loy), Bergs WOZZECK (2018, Regie: Ole Anders Tandberg) oder Zemlinskys DER ZWERG (2019, Regie: Tobias Kratzer) und nun, in der aktuellen Saison 19/20, Rued Langgaards ANTIKRIST (2020, Regie: Ersan Mondtag).

 

Vor allem Uraufführungen spielen am Hause eine große Rolle, so fanden hier Andrea Lorenzo Scartazzinis EDWARD II. (2017, Regie: Christoph Loy), Aribert Reimanns L'INVISIBLE (2017, Regie: Vasily Barkhatov), Detlev Glanerts OCEANE (2019, Regie: Robert Carsen) und nun HEART CHAMBER (2019, Regie: Claus Guth) ihre weltweit ersten Aufführungen. Ein Symposion versucht im November 2020 eine Standortbestimmung des Musiktheaters des 21. Jahrhunderts in Diskussionen, Vorträgen, Workshops und Live-Composings.