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Im Gedenken an

Ivan Szepes (Sardi)

7.7.1930 in Budapest – 23.2.2019 in Berlin

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Als Masetto in der Eröffnungspremiere des DON GIOVANNI von Wolfgang Amadeus Mozart am 24. September 1961 debütierte Ivan Sardi an diesem Haus. Das Ensemble dieser Aufführung machte – zusammen mit einigen Sängern, die in der Uraufführung ALKMENE von Giselher Klebe tags darauf oder in der folgenden Premiere AIDA auftraten – den Gründungsmythos des modernen Hauses an der Bismarckstraße aus.

Elisabeth Grümmer, Dietrich Fischer-Dieskau und die dem Hause eng verbundenen Gäste Erika Köth und Walter Berry gehörten schon zum Ensemble, als dieses noch in der Kantstraße seine vorläufige Heimstatt hatte. Und auch die beiden anderen jungen Ensemblemitglieder, die im DON GIOVANNI mitwirkten, nur ein oder zwei Jahre älter als Ivan Sardi, waren schon in der Kantstraße aufgetreten: Pilar Lorengar und Donald Grobe. Er war also der Jüngste und der Letzte, der dazu gekommen war, und nun ist er auch der Letzte aus diesem legendären Mozart-Ensemble, der gestorben ist.

Bis zu seiner Pensionierung 1997 wirkte Ivan Sardi in unzähligen Premieren mit und gab ihnen seinen speziellen Akzent. Es war ein nur beim Sprechen wahrnehmbarer sehr leichter ungarisch-italienischer Akzent. Er war aus seiner Heimat früh nach Italien gezogen, wo er nach der Ausbildung bereits in sehr jungen Jahren eine Karriere aufbaute. Eine Schallplattenaufnahme von RIGOLETTO mit Gianna d’Angelo, Renato Capecchi und Richard Tucker in den Hauptrollen gibt davon Zeugnis.

Auch in Berlin hat er schon vor den Auftritten an der Deutschen Oper Berlin oft im Schallplattenstudio gestanden, vor allem mit Ferenc Fricsay, mit dem schon 1958 in Zusammenarbeit mit dem RIAS ein DON GIOVANNI entstand, später Mozarts c-Moll-Messe und Verdis Requiem, bei denen weitere Sänger der Städtischen Oper Berlin bzw. der Deutschen Oper Berlin mitwirkten.

Früh übernahm er Partien, in denen er sich selbst um Jahrzehnte älter machen musste, so schon bei seinem Debüt als Einundzwanzigjähriger in Brescia, da war er Padre Guardiano in LA FORZA DEL DESTINO. Jeder Partie schenkte er die maximale Aufmerksamkeit und machte damit auch aus kurzen Auftritten eine mit allem anderen wohl abgestimmte Hauptaktion. Sei es der namenlose kleine Sträfling in AUS EINEM TOTENHAUS, der alles über sich ergehen lässt, oder die Mutter (ja, richtig: die Mutter, denn die Partie ist für Bass geschrieben, während der Vater Sopran singt) im PREUSSISCHEN MÄRCHEN von Boris Blacher. Für den Schigolch in Alban Bergs LULU, wo er mit 51 bei der Inszenierung von Götz Friedrich immer noch sein Alter hochspielen musste, probierte und übte er tagelang die „falsche Luft“, die seine Stimme laut Libretto wie eine Ziehharmonika klingen lassen sollte.

Er wirkte in zahlreichen Uraufführungen mit, in gut dokumentierten, wie dem auch als DVD verfügbaren JUNGEN LORD, aber auch in vergessenen wie dem TEMPELBRAND von Toshiro Mayuzumi. Es ist unmöglich, alle Partien aufzuzählen, die Ivan Sardi an der Deutschen Oper Berlin gesungen hat, geschweige denn, ihre Einmaligkeit zu beschreiben. Aber eine soll noch erwähnt werden: Als Götz Friedrich ihn 1994 bat, den Prolog zu HERZOG BLAUBARTS BURG als Vertreter der Autoren Béla Bartók und Béla Balász mit ungarischem Flair zu sprechen, zögerte er kurz, denn er wollte nicht als Ungar sondern als Schauspieler in die Produktion einsteigen. Dann aber schaffte er sich – wie eine fremde Sprache – einen starken ungarischen Akzent an und spielte die Rolle mit unvergleichlicher Intensität.

Auch nach seiner Pensionierung zeigte sich Ivan Sardi häufig in der Deutschen Oper Berlin, der er auch durch seine Frau, die noch einige Zeit im Orchester spielte, verbunden blieb. Beide erschienen dann zu Ehemaligentreffen, wo zwanglos von alten Zeiten geplaudert werden konnte. Nun wird er nicht mehr kommen.

Leitung, Ensemble und Mitarbeiter*innen der Deutschen Oper Berlin, vor allem aber die Ehemaligen trauern mit den Hinterbliebenen um einen großen Sänger und eine große Persönlichkeit aus ihrer Mitte. Sie werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Curt A. Roesler
Dietmar Schwarz